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Das Tablet entwickelt für Seniorinnen und Senioren

Mit der Telemarie werden Videoanrufe mit den Angehörigen leicht gemacht. Bilder, Videos und Nachrichten können endlich einfach geteilt werden – mit der kostenlosen App für Angehörige jederzeit von überall. Entwickelt haben wir die Hard- und Software mit Senioren für Senioren.

Was ist die Telemarie

Für viele Ältere sind Smartphones und Tablets oft schwer zu bedienen. Damit Sie Ihre Eltern oder Großeltern auch per Video anrufen können und mit Ihnen Bilder und Videos teilen können, haben wir die Telemarie entwickelt. Bei der Entwicklung – auch mit unseren eigenen Großeltern – haben wir den Schwerpunkt auf seniorengerechte Hard- und Software gesetzt. Hier ein kurzes Video, das die Funktionen erläutert:

Die Telemarie funktioniert mit einem einzigen Knopf und ermöglicht Videotelefonie sowie das Teilen von Medien. Die Angehörigen können die kostenlose App für iOS und Android nutzen.

Was kann die Telemarie?

  • Videotelefonie
  • Digitales Fotoalbum (Fotos & Videos mit Nachrichten)
  • Ein-Knopf-Bedienung
  • Ergonomische Handhabung durch Haltegriffe und Ständer
  • 24/7 Kundenservice und Fehlerbehebung
  • Kostenlose App fürs Smartphone (für die Familienmitglieder ist keine zweite Telemarie erforderlich)

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Telemarie testen bei den „Digitalen Ambulanzen“ in Bremen

An 3 Infotagen konnten sich Interessierte in Bremen die Telemarie anschauen und testen. Das Bremer Netzwerk „Digitalambulanzen“ hat uns dazu eingeladen. Was ist das Ziel des Netzwerks?

In Bremen und Bremerhaven gibt es bereits zahlreiche digitale Lernangebote in unterschiedlichen Formaten wie Kursen, Sprechstunden, Treffs oder auch aufsuchender Hilfen. Die verschiedenen Träger haben sich dabei auf unterschiedliche Bedarfe spezialisiert. Um gemeinsam die offene Nachfragen abdecken zu können, bedarf es eines funktionierenden und sich gegenseitig ergänzenden Netzwerks. Das Netzwerk bietet die Möglichkeit, gemeinsam neue Wege für eine stärkere digitale Teilhabe älterer Mitbürger zu entwickeln.

Das Netzwerk Digitalambulanzen ist ein Vorhaben des Landes Bremen in Zusammenarbeit mit zahlreichen Einrichtungen in Bremen und Bremerhaven unter wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib), sowie ein Modellvorhaben im Rahmen des Forschungsfeldes „Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE-BMI)“ des Bundesministerium des Inneren für Bau und Heimat/Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung (Regionale Open Government Labore).

Weiter Informationen: https://www.digitalambulanzen.bremen.de/

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Aus der Werkstatt

Wir haben 10 Telemaries hergestellt, die bald ausgeliefert werden können. Hier einige Eindrücke aus der Werkstatt:

Für die erste Kleinserie bauen wir alles in Berlin. Wir danken an dieser Stelle dem Büro unbekannt Berlin (Dominik Steinmann) für Design,  3D-Druck, CNC-Holzbearbeitung und Montage.

Besonderen Dank geht an die Prototypenwerkstatt „konstruktiv„. Mit Felix Piela haben wir eine Ladevorrichtung entwickelt, die es Senioren und Seniorinnen ermöglicht auf einfache Weise das Gerät aufzuladen – eine Innovation!

Die ersten Konstruktionen für den 3D-Druck kommen von „We4All“ (Nezar Shakerchi ). Gefördert wurden wir vom Startup Incubator Berlin.

Dominik beim Verlöten der Ladestation.

Unser neuer 3D-Drucker.  Hier beim Drucken der Ladestation.

 

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Auslieferung der Telemarie hat begonnen

Es ist soweit: Wir beginnen mit der Auslieferung der ersten Telemaries. Wir freuen uns wahnsinnig und sind stolz auf das Erreichte.

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„Aber die, die nicht einsam waren, sind plötzlich in eine Einsamkeitsspirale reingeraten!

Wir haben mit der Unternehmerin und Gründerin des Vereins „ Wege aus der Einsamkeit e.V.“ Dagmar Hirche gesprochen. Mit ihrer medialen Präsenz und ihrem sozialen Engagement setzt sie sich für die Generation 65 + ein und „versilbert“ das Internet. Durch Vorträge, Weiterbildungen und Online-Veranstaltungen macht sie älteren Menschen Mut den Schritt in die Digitalität zu wagen. Keine dürfte die Bedürfnisse und Ängste von Senioren und Seniorinnen besser kennen als sie. 

Wir haben uns (natürlich) zu einem Videocall für dieses Interview verabredet.

Hier ein Auszug des Gesprächs:

Telemarie: Während der Lockdowns, wie haben Sie hauptsächlich kommuniziert?

Hirche: Als der erste Lockdown kam, war klar, dass wir zu keinen analogen Veranstaltungen mehr gehen. Da ich überall in den sozialen Medien bin, habe ich überall von Zoom, Jitsi, Blue Jeans gelesen. Dann hab ich mir Zoom angeguckt und gesagt: “das mache ich mit den Senioren”. Dann habe ich am besten Zoom verstanden und mir gesagt, ich kann am besten das schulen, was ich selber am besten verstehe und hab dann meinem Mann geschnappt und gesagt: du nimmst dir jetzt die Kamera und du bist jetzt mein Kameramann und wir werden jetzt Erklärvideos drehen, wie man Zoom auf ein Android Gerät, auf ein iOS-Gerät und auf ein Windows-Gerät bekommt und wie man es dann benutzt.

Als wir das das fertig gemacht haben, habe ich ein Zoom-Konto eingerichtet. Dann hab ich 2500 Newsletter-Empfänger angeschrieben und habe gesagt: “wir wechseln jetzt komplett von Analog ins Digitale und wer nicht weiß wie es geht, darf mich anrufen”. 14 Tage gab’s eine Hotline.

Telemarie: …zu dir direkt?

Hirche: … ja, das wusste ich nicht, was ich damit auslöse. Wenn ich das gewusst hätte, weiß ich nicht, ob ich das gemacht hätte, weil ich gefühlt 3 Wochen 24 Stunden lang Zoom erklärt habe.

Dann haben wir immer auch live geübt, weil unser Zoom-Raum seit März 2020 nicht mehr geschlossen wurde. Senioren brauchen Übungsräume. Denen kannst du nicht heute erklären, wie es geht und dann sagen in 14 Tagen geht’s los. Das wird nichts!

Dann haben wir angefangen ein bisschen Smalltalk zu machen und dann war das zu wenig und dann haben wir ein Programm aufgebaut. Dann hatten wir wirklich jeden Tag außer Samstags Programm. Das haben uns die Senioren bestätigt, dass sie das tatsächlich aus der Depression raus geholt hat, weil ihnen alles weggebrochen ist: der Sport, die Musik, ihre Reisen – sie mussten alles, woran sie Spaß hatten, absagen und saßen jetzt plötzlich zu Hause und waren einsam, was sie vorher gar nicht waren. Senioren, die vorher einsam waren, die konnten sich besser damit arrangieren. Aber die, die nicht einsam waren, sind plötzlich in eine Einsamkeitsspirale reingeraten.

Vorher haben sie sich um ihre Enkelkinder gekümmert, die haben sich getroffen, sind Kaffeetrinken gegangen, Essen gegangen, das ist ja komplett weggefallen. Jetzt hatten sie plötzlich einen Raum. Das konnten sich viele vorher gar nicht vorstellen, wie man sich digital als Gemeinschaft fühlen kann. Ich hab ja vorher alle gesiezt, weil ich dachte, das sind Menschen, die diese „Du“-Kultur gar nicht kennen. Wir haben auf Zoom aber darauf geachtet, dass keiner mit seinem Nachnamen drin ist – aus Sicherheitsgründen – das haben wir von anfang an geschult. Aber dann haben sich manche „Strickeule“ genannt und zu einer „Strickeule“ Sie zu sagen, das war lächerlich und dann haben alle gesagt, wir duzen uns. Das habe ich komplett unterschätzt, was das nochmal für Nähe schafft. Wir haben bis jetzt ca 500 Zoom-Veranstaltungen durchgeführt. Die Senioren haben für sich den Zoom-Raum als digitale Kneipe angenommen.

Montags ist bei uns „Sitztanz“ mit einem Tanzlehrer. Da wird Twist und Rock´n Roll im Sitzen getanzt. Mittwoch machen wir Smartphone und Tablet-Schulungen. Donnerstag haben wir Yoga, freitags schulen wir wieder und Sonntags spielen wir. 

Eine macht einen Ukulele-Workshop, jemand macht eine Schreibwerkstatt, dienstags wird manchmal Lachyoga veranstaltet oder Kultur angeboten. Wir haben alle 6 Wochen eine Party veranstaltet, gemeinsam gekocht. Ich sag heute: es gibt nichts, was man nicht digital machen kann.

Telemarie:  Wie kommen die Senioren und Seniorinnen an die Termine?

Hirche: Die stehen auf unserer Seite: https://www.wegeausdereinsamkeit.de/.

Man guckt und sagt „ich würde irgendwo teilnehmen“. Das Kennwort muss man sich von uns holen, weil ich einmal wissen möchte, wer möchte gern in unsere Runde. Wenn man einmal das Kennwort hat, kann man überall teilnehmen – so niedrigschwellig wie möglich!

Telemarie:  Was braucht man als Senior oder Seniorin?

Hirche: Ein Smartphone oder Tablet – auf jeden Fall braucht man Internet. Am besten man hat ein Laptop, aber das haben viele nicht. Es gibt viele ältere Damen und Herren, die noch einen Stand-PC haben. Die haben natürlich keine Kamera und kein Mikrofon und keine Lautsprecher. 

Wir haben gelernt, dass die Senioren ganz oft wieder Dinge vergessen und mein Lieblingssatz ist „Du bist stumm geschaltet, ich sehe deine Lippenbewegung“ das habe ich gefühlt 30.000 Mal erzählt.  

Telemarie: Das Thema Einsamkeit betrifft nicht nur Ältere sondern alle Generationen. Warum ist es für ihren Verein besonders wichtig, für Ältere etwas zu tun?

Hirche: Als wir den Verein „Wege aus der Einsamkeit“ vor 13 Jahren (2008) gegründeten, haben wir uns entschieden, für Menschen 65 plus da zu sein. 

Telemarie: Wie kann man denn ältere Menschen erreichen, die sich einsam fühlen und keine Technik haben, um zu kommunizieren?

Hirche: Was wir festgestellt haben, ist, dass wir durch die Digitalisierung Menschen erreicht haben, die körperlich nicht mehr mobil sind, aber geistig top fit sind. Wenn die Kameras abgeschaltet sind, dann wissen wir, dass es ihnen heute nicht so gut geht und sie im Bett liegen. Dennoch sind diese Menschen froh, Teil einer Community zu sein und unsere Stimmen zu hören. Dann sagt man „Hey Herta, dir geht´s heute nicht so gut. Aber schön, dass du dabei bist“.  Allein dadurch merkt man schon an der Stimme, dass die Menschen, die eine Einschränkung haben, sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen. 

Menschen, die einsam sind und schon vorher den Weg nicht zu uns gefunden haben, für diese Menschen ist es extrem schwierig. Da is der erste Schritt eigentlich immer der analoge Weg und wenn diese Menschen aus der Ferne sehen, wie solche Online-Treffen ablaufen. Man muss sich damit abfinden, dass man digital einsame Menschen nicht erreicht. Das ist fast nicht möglich. Das müsste man vielfältig machen, niedrigschwellig, da muss es etwas in der Nachbarschaft geben, wo man immer dran vorbei läuft als einsamer Mensch und wenn dieser Mensch mal einen guten Tag hat, auch mal stehen bleibt und eventuell mitmacht.

Telemarie: Wieviel Menschen nehmen denn an ihren Angeboten teil?

Hirche: Wir haben ca. 300 Gäste, die regelmäßig zu uns kommen in die digitalen Räume. Es kann ja jeder entweder nur an einer Sache teilnehmen oder an allem. Wir haben eine 95-Jährige, die tanzt nur und wir haben eine 91-Jährige, die macht nur Sitzyoga mit.

Telemarie: Wie kann man den Umgang mit der Computer, Senioren-Smartphones und Senioren Tablets erleichtern. Was würdest du Entwicklern und Entwicklerinnen solcher Geräte mit auf den Weg geben?

Hirche: Mein Wunsch ist es immer, dass es Smartphones gibt, die alle gleich aussehen und wo man eine einfache Oberfläche und eine zweite Oberfläche für Experten hat. Das Problem ist, dass Senioren keine Seniorengeräte haben wollen, weil das ist ein Stigma. Da geht der Opa zu seinem Enkel und da sagt der Enkel „Was hast du denn da Opa, das ist was für alte Leute.“ Das wollen die alten Leute nicht. Die wollen das haben, was alle anderen auch haben. Das darf man nicht unterschätzen, dass Senioren nicht in so ein Stigma gesteckt werden wollen.

Wenn man ein Doro-Handy hat, erkennt man sofort: das ist für Menschen, die keine Ahnung haben. Bei mir haben die Leute auch keine Ahnung, aber das wollen die Leute nicht zeigen.

Telemarie: Das war uns beim Entwerfen der Telemarie durchaus bewusst. Wie siehst du auf die Telemarie? Ist das Gerät aus deiner Sicht ein Stigma? 

Hirche: Die Telemarie ist für mich für jemanden, der im Grunde im Pflegebereich ist, der ganz wenig selber machen kann – wo man ganz klar weiß: der oder diejenige wird niemals ein Tablet bedienen können, um ein Anruf zu tätigen. Es sind die Menschen, die ich nicht erreiche mit meinem Angebot. Es sind die Menschen, wo die Familienangehörigen sagen: ich möchte gern mit meiner Oma, die 600 Kilometer entfernt ist, mit Videotelefonieren und das soll sie einfach per Knopfdruck herstellen und schon bin ich da! Schwupp!

Diese Menschen wissen vom Radio oder Fernseher noch wie ein Drehknopf funktioniert. Wenn ich an die Telemarie denke, dann ist das genau die Zielgruppe, die ihr ansprecht. Ihr sprecht nicht die Zielgruppe an, die ich anspreche. 

Telemarie: Besser hätte ich es nicht umschreiben können. Es sind oftmals genau solche Anfragen, die uns erreichen: Die Mutter oder Oma wohnt allein in Freiburg und die Familie lebt in Stralsund und man möchte sich regelmäßig per Video sehen und Bilder und Videos teilen.

Das Problem dabei ist, dass laut Statistik und auch auf Grundlage unserer Gespräche die Hälfte der Älteren kein Internet hat. Das ist ein riesiges Problem! 

Hirche: Im Grunde sprecht ihr ja noch mehr diejenigen an, die im Heim leben, die ihr Zimmer nicht mehr verlassen können und da gibt´s ja auch kein WLAN. Das ist etwas, was ich schon sehr sehr lange bemängele, dass das nicht sein kann in Deutschland.

Telemarie: Das ist wohl mittlerweile von vielen Heimleitern und Heimleiterinnen als Problem erkannt worden. 

Hirche: Aber noch nicht bei allen! Es gibt noch genügend Heimleitungen, die meinen, es sei nicht notwendig! Da muss ich noch sehr laut und sehr viel reden zu diesem Thema.

Telemarie: Wie wichtig ist ihnen denn persönlich Videotelefonie?

Hirche: Extrem wichtig! Allein schon durch die Entfernung. Ältere Menschen können am Telefon immer schön sagen wie toll es ihnen geht, aber wenn man sie sehen würde, würde man sehen, dass es ihnen nicht so gut geht. Dann kann man diesen Menschen auch mal zeigen: guck mal, so sieht gerade unser Garten aus, weil sie nie mehr nach Stralsund kommen, um sich den Garten anzuschauen oder das Kinderzimmer oder die Werkbank. Man kann gemeinsam singen, man kann auch ein Bild malen und zeigen. Man hat ja einen ganz anderen Bezug zu den Leuten, wenn man Videotelefonie macht, als wenn man nur das Telefon nimmt. Ich kann die Menschen nicht verstehen, die die Vorteile der Digitalisierung nicht sehen. 

Wir zwingen die alte Generation die digitale Welt, dann müssen die ganzen Schulungen kostenfrei sein und bezahlen sollen die Konzerne und Unternehmen, die Digitalisierung anbieten. 

Telemarie: Haben sie das Google, Apple und Zoom mal vorgetragen?

Hirche: Immer! Wenn ich Vorträge halte, steht das immer drin.

Telemarie: Ich meine, haben sie direkt mal bei Google nachgefragt? 

Hirche: Facebook unterstützt uns. Ich bin mit der Telekom vernetzt. Ich hab einige Konzerne, die uns unterstützen. 

Telemarie: Bei der Entwicklung des Senioren Tablets Telemarie haben wir uns gefragt, ob es irgendwann auch mal einen Seniorentarif geben wird, den sich Ältere auch leisten können? 

Hirche:  Da sind die gerade am arbeiten dran! Ich bin da dran! 

Telemarie: Es gibt das EU-Antidiskriminierungsgesetz, das besagt, dass man unter anderem Senioren nicht bevorzugen darf, denn sonst meldet jede Gruppe einen Anspruch auf Bevorzugung an. Aber eigentlich geht es nicht anders, wenn man gesellschaftlich etwas verändern möchte, muss man eine Unterscheidung machen, weil nicht alle Gruppen gleichgestellt sind. Diskrimminierung wäre auch der falsche Begriff. Man müsste von Fördergruppen sprechen.

Hirche:…aber da sind die dabei!

Telemarie: Ich habe mich ebenfalls bei der Telekom stark dafür gemacht! Dann sind wir an der gleichen Front tätig.  Das ist gut!

Gibt es etwas, was du noch anregen würdest, wenn es um die Digitalisierung von Senioren geht?

Hirche: Ich hab mich immer gefragt, warum gibt es bei den öffentlich rechtlichen Sendern keine Sendungen oder Sender zur digitalen Bildung für Ältere?

Der vormittags für die Senioren was bietet und nachmittags was für die Schüler und abends was für die arbeitende Bevölkerung. Warum gibt es keine digitale Bildungssendung, wo man weiß, dass es jeden Monat eine Wiederholung gibt, damit ich mir das wieder neu anschauen kann.

Telemarie: Gute Idee!

Hirche: Da gäbe es dann Sendungen zu digitalen Gesundheitsthemen oder zu Online-Banking!

Telemarie: Du hast vollkommen recht, man geht immer davon aus, dass die Älteren diese Themen von irgendjemandem erklärt bekommen, aber warum wird das nicht strukturell auch über öffentlich rechtliche Sendungen abgedeckt? So könnte man auch Vertrauen schaffen in die Digitalität. Wenn jemand allein vor dem Fernseher sitzt, könnte eine Dagmar Hirche in einer Sendung was zu den Senioren-Online-Räumen erzählen. 

Hirche: …oder wie richte ich mir ein Smartphone ein. Nach dem Motto: Ich habe mir ein Smartphone gekauft und das richten wir jetzt gemeinsam ein. Man muss analog denken, um in die digitale Welt zu gehen. Ich kann nicht verstehen, warum es für die analogen Offliner einen Fernsehangebot gibt, wo sie sagen: „Da wird mir einmal die Woche erklärt, wie ich ein Smartphone einrichte, da wird mir einmal die Woche erklärt, wie ich eine Email verschicke und da wird mir erklärt, wie ich Google Maps benutze. Die Menschen, die kein Internet haben, die können sich ja auch nicht unsere Erklärvideos auf Youtube angucken. Die können aber einen Fernseher bedienen. Warum wird der Fernseher nicht benutzt, um Offliner in die digitale Welt zu holen?

Telemarie: Liebe Frau Hirche, ich danke ihnen für das Gespräch.

 

    

 

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Senioren und Seniorinnen wünschen sich Bedienungsanleitungen fürs Internet

Blickpunkt: Senioren und Seniorinnen

Herr Schmidt hatte eine leitende Position als Chefarzt in der Charité Berlin. Mit ihm hat die Telemarie über Herausforderungen mit dem Internet und der Videotelefonie gesprochen.

Herr Schmidt ist 84 Jahre und lebt allein in Berlin. Hier ein Auszug des Gesprächs:

Wie haben sie während der Lockdowns mit anderen Menschen kommuniziert?

Naja – per Telefon und nach der Impfung hab ich mich mit Leuten getroffen, die auch doppelt geimpft waren.

Haben sie hauptsächlich das Festnetztelefon verwendet?

Hauptsächlich Festnetz.

Welche Geräte zur Kommunikation besitzen sie?

Telefon, Fax und ich hab ein Tablet, das ich aber kaum benutze.

Gibt es ein Grund gibt es, dass sie das Tablet nicht verwenden?

Das ist mir alles zu kompliziert. Ich google da manchmal, suche Adressen oder solche Geschichten und mein Sohn schickt mir mal Bilder. An meinem Geburtstag vor  Wochen, da hatte ich von seinen Nichten 30 Nachrichten drauf- Naja das beschränkt sich im Prinzip darauf.

Haben sie schonmal Videotelefonie gemacht?

Ja mit meinem Sohn- also das finde ich immer nicht so erfreulich, weil die Bilder so verzerrt sind, so dass man sie gar nicht richtig erkennt. Es bringt mir nichts an Emotionalität in positiver Hinsicht. Das würden andere ganz anders sehen aber ich bin zwar ein visuell veranlagter Mensch aber wenn ich dann Bilder sehe, die nicht meiner Vorstellung entsprechen, dann find ich das nicht so nötig. Also wenn so ein Bild auf dem Ipad auftaucht und das Bild ist so verzerrt und ich habe ganz andere Vorstellungen von den Personen mit denen ich da spreche – das stört mich. Ich brauche die Rückkopplung nicht.

Wenn man ein Seniorentablet bauen würde und sie mit den Entwicklern sprechen könnten- was würden sie ihnen mit auf den Weg geben?

Im Vordergrund steht die Einfachheit der Bedienung. Eh ich mich daran setze, müsste für jede Funktion ein definitiver Fahrplan da sein, da ich es ja so selten benutze und immer wieder vergesse. Da müsste ich sozusagen eine kleine schriftliche Beilage haben, wo ich dann Punkt für Punkt meine Tasten drücke. Also wovor ich Angst habe – ich komme ja gut zurecht mit meinem Leben – wenn jetzt aber z.Bsp einkaufen nur noch mit dem Ipad möglich sein sollte oder Bankgeschäfte nur noch über Iphone oder Internet- davor fürchte ich mich. Das, sagen wir mal, der ganze Verkehr nach draußen, bis aufs Telefon, umgestellt wird aufs Internet, da habe ich Bedenken. Wenn ich Fragen habe zu meiner Versicherung und ich ruf da an, dann erstens lande ich in einer Warteschleife, nun kann ich ja eine Weile warten, aber dann kommt die Ansage, wenn ich noch Fragen habe, soll ich im Internet nachgucken, das mach ich alles nicht! Das ist mir zu umständlich. Dann drückt man auf den falschen Knopf und schon ist alles weg und dazu habe ich einfach nicht mehr die Geduld.

Würden sie sich freuen wenn sie auf sehr einfache Weise Fotos von ihrer Familie anschauen könnten?

Ja das fände ich ganz prima.

Für mich käme es in Frage, wenn es wirklich idiotensicher ist und man eine Anweisung hat, die man nachlesen kann und nicht im Gedächtnis speichern muss. Je älter sie werden umso mehr vergessen sie.

Wenn ich z.B. bei Google einen Namen eingebe und jemanden suche und dann finde ich auch jemanden, den ich sprechen möchte – da ist überhaupt keine Telefonnummer angegeben sondern nur Internetadressen- das find ich wirklich blöde.

Also sie möchten immer gern die Telefonnummer angezeigt bekommen?

Ja ja, das ist ja überhaupt meine Kommunikation.

Wir danken ihnen für dieses Gespräch!