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„Aber die, die nicht einsam waren, sind plötzlich in eine Einsamkeitsspirale reingeraten!

Wir haben mit der Unternehmerin und Gründerin des Vereins „ Wege aus der Einsamkeit e.V.“ Dagmar Hirche gesprochen. Mit ihrer medialen Präsenz und ihrem sozialen Engagement setzt sie sich für die Generation 65 + ein und „versilbert“ das Internet. Durch Vorträge, Weiterbildungen und Online-Veranstaltungen macht sie älteren Menschen Mut den Schritt in die Digitalität zu wagen. Keine dürfte die Bedürfnisse und Ängste von Senioren und Seniorinnen besser kennen als sie. 

Wir haben uns (natürlich) zu einem Videocall für dieses Interview verabredet.

Hier ein Auszug des Gesprächs:

Telemarie: Während der Lockdowns, wie haben Sie hauptsächlich kommuniziert?

Hirche: Als der erste Lockdown kam, war klar, dass wir zu keinen analogen Veranstaltungen mehr gehen. Da ich überall in den sozialen Medien bin, habe ich überall von Zoom, Jitsi, Blue Jeans gelesen. Dann hab ich mir Zoom angeguckt und gesagt: “das mache ich mit den Senioren”. Dann habe ich am besten Zoom verstanden und mir gesagt, ich kann am besten das schulen, was ich selber am besten verstehe und hab dann meinem Mann geschnappt und gesagt: du nimmst dir jetzt die Kamera und du bist jetzt mein Kameramann und wir werden jetzt Erklärvideos drehen, wie man Zoom auf ein Android Gerät, auf ein iOS-Gerät und auf ein Windows-Gerät bekommt und wie man es dann benutzt.

Als wir das das fertig gemacht haben, habe ich ein Zoom-Konto eingerichtet. Dann hab ich 2500 Newsletter-Empfänger angeschrieben und habe gesagt: “wir wechseln jetzt komplett von Analog ins Digitale und wer nicht weiß wie es geht, darf mich anrufen”. 14 Tage gab’s eine Hotline.

Telemarie: …zu dir direkt?

Hirche: … ja, das wusste ich nicht, was ich damit auslöse. Wenn ich das gewusst hätte, weiß ich nicht, ob ich das gemacht hätte, weil ich gefühlt 3 Wochen 24 Stunden lang Zoom erklärt habe.

Dann haben wir immer auch live geübt, weil unser Zoom-Raum seit März 2020 nicht mehr geschlossen wurde. Senioren brauchen Übungsräume. Denen kannst du nicht heute erklären, wie es geht und dann sagen in 14 Tagen geht’s los. Das wird nichts!

Dann haben wir angefangen ein bisschen Smalltalk zu machen und dann war das zu wenig und dann haben wir ein Programm aufgebaut. Dann hatten wir wirklich jeden Tag außer Samstags Programm. Das haben uns die Senioren bestätigt, dass sie das tatsächlich aus der Depression raus geholt hat, weil ihnen alles weggebrochen ist: der Sport, die Musik, ihre Reisen – sie mussten alles, woran sie Spaß hatten, absagen und saßen jetzt plötzlich zu Hause und waren einsam, was sie vorher gar nicht waren. Senioren, die vorher einsam waren, die konnten sich besser damit arrangieren. Aber die, die nicht einsam waren, sind plötzlich in eine Einsamkeitsspirale reingeraten.

Vorher haben sie sich um ihre Enkelkinder gekümmert, die haben sich getroffen, sind Kaffeetrinken gegangen, Essen gegangen, das ist ja komplett weggefallen. Jetzt hatten sie plötzlich einen Raum. Das konnten sich viele vorher gar nicht vorstellen, wie man sich digital als Gemeinschaft fühlen kann. Ich hab ja vorher alle gesiezt, weil ich dachte, das sind Menschen, die diese „Du“-Kultur gar nicht kennen. Wir haben auf Zoom aber darauf geachtet, dass keiner mit seinem Nachnamen drin ist – aus Sicherheitsgründen – das haben wir von anfang an geschult. Aber dann haben sich manche „Strickeule“ genannt und zu einer „Strickeule“ Sie zu sagen, das war lächerlich und dann haben alle gesagt, wir duzen uns. Das habe ich komplett unterschätzt, was das nochmal für Nähe schafft. Wir haben bis jetzt ca 500 Zoom-Veranstaltungen durchgeführt. Die Senioren haben für sich den Zoom-Raum als digitale Kneipe angenommen.

Montags ist bei uns „Sitztanz“ mit einem Tanzlehrer. Da wird Twist und Rock´n Roll im Sitzen getanzt. Mittwoch machen wir Smartphone und Tablet-Schulungen. Donnerstag haben wir Yoga, freitags schulen wir wieder und Sonntags spielen wir. 

Eine macht einen Ukulele-Workshop, jemand macht eine Schreibwerkstatt, dienstags wird manchmal Lachyoga veranstaltet oder Kultur angeboten. Wir haben alle 6 Wochen eine Party veranstaltet, gemeinsam gekocht. Ich sag heute: es gibt nichts, was man nicht digital machen kann.

Telemarie:  Wie kommen die Senioren und Seniorinnen an die Termine?

Hirche: Die stehen auf unserer Seite: https://www.wegeausdereinsamkeit.de/.

Man guckt und sagt „ich würde irgendwo teilnehmen“. Das Kennwort muss man sich von uns holen, weil ich einmal wissen möchte, wer möchte gern in unsere Runde. Wenn man einmal das Kennwort hat, kann man überall teilnehmen – so niedrigschwellig wie möglich!

Telemarie:  Was braucht man als Senior oder Seniorin?

Hirche: Ein Smartphone oder Tablet – auf jeden Fall braucht man Internet. Am besten man hat ein Laptop, aber das haben viele nicht. Es gibt viele ältere Damen und Herren, die noch einen Stand-PC haben. Die haben natürlich keine Kamera und kein Mikrofon und keine Lautsprecher. 

Wir haben gelernt, dass die Senioren ganz oft wieder Dinge vergessen und mein Lieblingssatz ist „Du bist stumm geschaltet, ich sehe deine Lippenbewegung“ das habe ich gefühlt 30.000 Mal erzählt.  

Telemarie: Das Thema Einsamkeit betrifft nicht nur Ältere sondern alle Generationen. Warum ist es für ihren Verein besonders wichtig, für Ältere etwas zu tun?

Hirche: Als wir den Verein „Wege aus der Einsamkeit“ vor 13 Jahren (2008) gegründeten, haben wir uns entschieden, für Menschen 65 plus da zu sein. 

Telemarie: Wie kann man denn ältere Menschen erreichen, die sich einsam fühlen und keine Technik haben, um zu kommunizieren?

Hirche: Was wir festgestellt haben, ist, dass wir durch die Digitalisierung Menschen erreicht haben, die körperlich nicht mehr mobil sind, aber geistig top fit sind. Wenn die Kameras abgeschaltet sind, dann wissen wir, dass es ihnen heute nicht so gut geht und sie im Bett liegen. Dennoch sind diese Menschen froh, Teil einer Community zu sein und unsere Stimmen zu hören. Dann sagt man „Hey Herta, dir geht´s heute nicht so gut. Aber schön, dass du dabei bist“.  Allein dadurch merkt man schon an der Stimme, dass die Menschen, die eine Einschränkung haben, sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen. 

Menschen, die einsam sind und schon vorher den Weg nicht zu uns gefunden haben, für diese Menschen ist es extrem schwierig. Da is der erste Schritt eigentlich immer der analoge Weg und wenn diese Menschen aus der Ferne sehen, wie solche Online-Treffen ablaufen. Man muss sich damit abfinden, dass man digital einsame Menschen nicht erreicht. Das ist fast nicht möglich. Das müsste man vielfältig machen, niedrigschwellig, da muss es etwas in der Nachbarschaft geben, wo man immer dran vorbei läuft als einsamer Mensch und wenn dieser Mensch mal einen guten Tag hat, auch mal stehen bleibt und eventuell mitmacht.

Telemarie: Wieviel Menschen nehmen denn an ihren Angeboten teil?

Hirche: Wir haben ca. 300 Gäste, die regelmäßig zu uns kommen in die digitalen Räume. Es kann ja jeder entweder nur an einer Sache teilnehmen oder an allem. Wir haben eine 95-Jährige, die tanzt nur und wir haben eine 91-Jährige, die macht nur Sitzyoga mit.

Telemarie: Wie kann man den Umgang mit der Computer, Senioren-Smartphones und Senioren Tablets erleichtern. Was würdest du Entwicklern und Entwicklerinnen solcher Geräte mit auf den Weg geben?

Hirche: Mein Wunsch ist es immer, dass es Smartphones gibt, die alle gleich aussehen und wo man eine einfache Oberfläche und eine zweite Oberfläche für Experten hat. Das Problem ist, dass Senioren keine Seniorengeräte haben wollen, weil das ist ein Stigma. Da geht der Opa zu seinem Enkel und da sagt der Enkel „Was hast du denn da Opa, das ist was für alte Leute.“ Das wollen die alten Leute nicht. Die wollen das haben, was alle anderen auch haben. Das darf man nicht unterschätzen, dass Senioren nicht in so ein Stigma gesteckt werden wollen.

Wenn man ein Doro-Handy hat, erkennt man sofort: das ist für Menschen, die keine Ahnung haben. Bei mir haben die Leute auch keine Ahnung, aber das wollen die Leute nicht zeigen.

Telemarie: Das war uns beim Entwerfen der Telemarie durchaus bewusst. Wie siehst du auf die Telemarie? Ist das Gerät aus deiner Sicht ein Stigma? 

Hirche: Die Telemarie ist für mich für jemanden, der im Grunde im Pflegebereich ist, der ganz wenig selber machen kann – wo man ganz klar weiß: der oder diejenige wird niemals ein Tablet bedienen können, um ein Anruf zu tätigen. Es sind die Menschen, die ich nicht erreiche mit meinem Angebot. Es sind die Menschen, wo die Familienangehörigen sagen: ich möchte gern mit meiner Oma, die 600 Kilometer entfernt ist, mit Videotelefonieren und das soll sie einfach per Knopfdruck herstellen und schon bin ich da! Schwupp!

Diese Menschen wissen vom Radio oder Fernseher noch wie ein Drehknopf funktioniert. Wenn ich an die Telemarie denke, dann ist das genau die Zielgruppe, die ihr ansprecht. Ihr sprecht nicht die Zielgruppe an, die ich anspreche. 

Telemarie: Besser hätte ich es nicht umschreiben können. Es sind oftmals genau solche Anfragen, die uns erreichen: Die Mutter oder Oma wohnt allein in Freiburg und die Familie lebt in Stralsund und man möchte sich regelmäßig per Video sehen und Bilder und Videos teilen.

Das Problem dabei ist, dass laut Statistik und auch auf Grundlage unserer Gespräche die Hälfte der Älteren kein Internet hat. Das ist ein riesiges Problem! 

Hirche: Im Grunde sprecht ihr ja noch mehr diejenigen an, die im Heim leben, die ihr Zimmer nicht mehr verlassen können und da gibt´s ja auch kein WLAN. Das ist etwas, was ich schon sehr sehr lange bemängele, dass das nicht sein kann in Deutschland.

Telemarie: Das ist wohl mittlerweile von vielen Heimleitern und Heimleiterinnen als Problem erkannt worden. 

Hirche: Aber noch nicht bei allen! Es gibt noch genügend Heimleitungen, die meinen, es sei nicht notwendig! Da muss ich noch sehr laut und sehr viel reden zu diesem Thema.

Telemarie: Wie wichtig ist ihnen denn persönlich Videotelefonie?

Hirche: Extrem wichtig! Allein schon durch die Entfernung. Ältere Menschen können am Telefon immer schön sagen wie toll es ihnen geht, aber wenn man sie sehen würde, würde man sehen, dass es ihnen nicht so gut geht. Dann kann man diesen Menschen auch mal zeigen: guck mal, so sieht gerade unser Garten aus, weil sie nie mehr nach Stralsund kommen, um sich den Garten anzuschauen oder das Kinderzimmer oder die Werkbank. Man kann gemeinsam singen, man kann auch ein Bild malen und zeigen. Man hat ja einen ganz anderen Bezug zu den Leuten, wenn man Videotelefonie macht, als wenn man nur das Telefon nimmt. Ich kann die Menschen nicht verstehen, die die Vorteile der Digitalisierung nicht sehen. 

Wir zwingen die alte Generation die digitale Welt, dann müssen die ganzen Schulungen kostenfrei sein und bezahlen sollen die Konzerne und Unternehmen, die Digitalisierung anbieten. 

Telemarie: Haben sie das Google, Apple und Zoom mal vorgetragen?

Hirche: Immer! Wenn ich Vorträge halte, steht das immer drin.

Telemarie: Ich meine, haben sie direkt mal bei Google nachgefragt? 

Hirche: Facebook unterstützt uns. Ich bin mit der Telekom vernetzt. Ich hab einige Konzerne, die uns unterstützen. 

Telemarie: Bei der Entwicklung des Senioren Tablets Telemarie haben wir uns gefragt, ob es irgendwann auch mal einen Seniorentarif geben wird, den sich Ältere auch leisten können? 

Hirche:  Da sind die gerade am arbeiten dran! Ich bin da dran! 

Telemarie: Es gibt das EU-Antidiskriminierungsgesetz, das besagt, dass man unter anderem Senioren nicht bevorzugen darf, denn sonst meldet jede Gruppe einen Anspruch auf Bevorzugung an. Aber eigentlich geht es nicht anders, wenn man gesellschaftlich etwas verändern möchte, muss man eine Unterscheidung machen, weil nicht alle Gruppen gleichgestellt sind. Diskrimminierung wäre auch der falsche Begriff. Man müsste von Fördergruppen sprechen.

Hirche:…aber da sind die dabei!

Telemarie: Ich habe mich ebenfalls bei der Telekom stark dafür gemacht! Dann sind wir an der gleichen Front tätig.  Das ist gut!

Gibt es etwas, was du noch anregen würdest, wenn es um die Digitalisierung von Senioren geht?

Hirche: Ich hab mich immer gefragt, warum gibt es bei den öffentlich rechtlichen Sendern keine Sendungen oder Sender zur digitalen Bildung für Ältere?

Der vormittags für die Senioren was bietet und nachmittags was für die Schüler und abends was für die arbeitende Bevölkerung. Warum gibt es keine digitale Bildungssendung, wo man weiß, dass es jeden Monat eine Wiederholung gibt, damit ich mir das wieder neu anschauen kann.

Telemarie: Gute Idee!

Hirche: Da gäbe es dann Sendungen zu digitalen Gesundheitsthemen oder zu Online-Banking!

Telemarie: Du hast vollkommen recht, man geht immer davon aus, dass die Älteren diese Themen von irgendjemandem erklärt bekommen, aber warum wird das nicht strukturell auch über öffentlich rechtliche Sendungen abgedeckt? So könnte man auch Vertrauen schaffen in die Digitalität. Wenn jemand allein vor dem Fernseher sitzt, könnte eine Dagmar Hirche in einer Sendung was zu den Senioren-Online-Räumen erzählen. 

Hirche: …oder wie richte ich mir ein Smartphone ein. Nach dem Motto: Ich habe mir ein Smartphone gekauft und das richten wir jetzt gemeinsam ein. Man muss analog denken, um in die digitale Welt zu gehen. Ich kann nicht verstehen, warum es für die analogen Offliner einen Fernsehangebot gibt, wo sie sagen: „Da wird mir einmal die Woche erklärt, wie ich ein Smartphone einrichte, da wird mir einmal die Woche erklärt, wie ich eine Email verschicke und da wird mir erklärt, wie ich Google Maps benutze. Die Menschen, die kein Internet haben, die können sich ja auch nicht unsere Erklärvideos auf Youtube angucken. Die können aber einen Fernseher bedienen. Warum wird der Fernseher nicht benutzt, um Offliner in die digitale Welt zu holen?

Telemarie: Liebe Frau Hirche, ich danke ihnen für das Gespräch.

 

    

 

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+++ Bericht aus der Werkstatt Telemarie +++

In den letzten Wochen haben wir uns vor allem um die Software und die Ladestation gekümmert. Ältere Menschen haben oft Mühe Ladekabel in die Geräte zu stecken und deshalb wollen wir eine Ladesituation schaffen, die es ermöglicht, durch einfaches „Abstellen“ der Telemarie den Ladevorgang zu starten. Dazu arbeiten wir mit der Prototypenwerkstatt „konstruktiv“ in Berlin zusammen, die uns bei der Entwicklung der Platinen hilft. Einfache Federvorrichtungen erlauben einen mühelosen Umgang  – ohne Kabel verbinden zu müssen.

 

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Senioren und Seniorinnen wünschen sich Bedienungsanleitungen fürs Internet

Blickpunkt: Senioren und Seniorinnen

Herr Schmidt hatte eine leitende Position als Chefarzt in der Charité Berlin. Mit ihm hat die Telemarie über Herausforderungen mit dem Internet und der Videotelefonie gesprochen.

Herr Schmidt ist 84 Jahre und lebt allein in Berlin. Hier ein Auszug des Gesprächs:

Wie haben sie während der Lockdowns mit anderen Menschen kommuniziert?

Naja – per Telefon und nach der Impfung hab ich mich mit Leuten getroffen, die auch doppelt geimpft waren.

Haben sie hauptsächlich das Festnetztelefon verwendet?

Hauptsächlich Festnetz.

Welche Geräte zur Kommunikation besitzen sie?

Telefon, Fax und ich hab ein Tablet, das ich aber kaum benutze.

Gibt es ein Grund gibt es, dass sie das Tablet nicht verwenden?

Das ist mir alles zu kompliziert. Ich google da manchmal, suche Adressen oder solche Geschichten und mein Sohn schickt mir mal Bilder. An meinem Geburtstag vor  Wochen, da hatte ich von seinen Nichten 30 Nachrichten drauf- Naja das beschränkt sich im Prinzip darauf.

Haben sie schonmal Videotelefonie gemacht?

Ja mit meinem Sohn- also das finde ich immer nicht so erfreulich, weil die Bilder so verzerrt sind, so dass man sie gar nicht richtig erkennt. Es bringt mir nichts an Emotionalität in positiver Hinsicht. Das würden andere ganz anders sehen aber ich bin zwar ein visuell veranlagter Mensch aber wenn ich dann Bilder sehe, die nicht meiner Vorstellung entsprechen, dann find ich das nicht so nötig. Also wenn so ein Bild auf dem Ipad auftaucht und das Bild ist so verzerrt und ich habe ganz andere Vorstellungen von den Personen mit denen ich da spreche – das stört mich. Ich brauche die Rückkopplung nicht.

Wenn man ein Seniorentablet bauen würde und sie mit den Entwicklern sprechen könnten- was würden sie ihnen mit auf den Weg geben?

Im Vordergrund steht die Einfachheit der Bedienung. Eh ich mich daran setze, müsste für jede Funktion ein definitiver Fahrplan da sein, da ich es ja so selten benutze und immer wieder vergesse. Da müsste ich sozusagen eine kleine schriftliche Beilage haben, wo ich dann Punkt für Punkt meine Tasten drücke. Also wovor ich Angst habe – ich komme ja gut zurecht mit meinem Leben – wenn jetzt aber z.Bsp einkaufen nur noch mit dem Ipad möglich sein sollte oder Bankgeschäfte nur noch über Iphone oder Internet- davor fürchte ich mich. Das, sagen wir mal, der ganze Verkehr nach draußen, bis aufs Telefon, umgestellt wird aufs Internet, da habe ich Bedenken. Wenn ich Fragen habe zu meiner Versicherung und ich ruf da an, dann erstens lande ich in einer Warteschleife, nun kann ich ja eine Weile warten, aber dann kommt die Ansage, wenn ich noch Fragen habe, soll ich im Internet nachgucken, das mach ich alles nicht! Das ist mir zu umständlich. Dann drückt man auf den falschen Knopf und schon ist alles weg und dazu habe ich einfach nicht mehr die Geduld.

Würden sie sich freuen wenn sie auf sehr einfache Weise Fotos von ihrer Familie anschauen könnten?

Ja das fände ich ganz prima.

Für mich käme es in Frage, wenn es wirklich idiotensicher ist und man eine Anweisung hat, die man nachlesen kann und nicht im Gedächtnis speichern muss. Je älter sie werden umso mehr vergessen sie.

Wenn ich z.B. bei Google einen Namen eingebe und jemanden suche und dann finde ich auch jemanden, den ich sprechen möchte – da ist überhaupt keine Telefonnummer angegeben sondern nur Internetadressen- das find ich wirklich blöde.

Also sie möchten immer gern die Telefonnummer angezeigt bekommen?

Ja ja, das ist ja überhaupt meine Kommunikation.

Wir danken ihnen für dieses Gespräch!

  

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Blickpunkt Senioren und Seniorinnen

In der Rubrik „Blickpunkt Senioren und Seniorinnen“ wollen wir verschiedene Standpunkte von Menschen über 70 Jahre veröffentlichen. Inhaltlich geht es um Themen wie: Digitalität, Technik und Kommunikation im Alter. Die Auswahl der Gesprächspartner ergibt sich durch persönliche  Begegnungen der Gründer von Telemarie mit älteren Menschen.

Hier ist ein Auszug des ersten Gesprächs mit Christoph, 74, der in Berlin-Neukölln lebt. (Oktober/2021)

Telefonieren sie per Festnetz oder mit dem Handy?

Beides. Beim Handy ist die Tonqualität natürlich besser als beim Festnetz. Ich habe das Handy normalerweise immer dabei.

Verwenden sie Videotelefonie?

Die entscheidende Frage war für mich eigentlich: Zoom oder nicht Zoom. Ich mache Musik und dann ist die Tonqualität doch ziemlich schlecht. Ich geb noch Saxophonunterricht und das haut dann nicht so gut hin und dann hab ich mir gesagt, ich lass das einfach.

Wie haben sie während Corona mit ihrer Familie und ihren Freunden und Freundinnen kommuniziert? 

Ganz eindeutig mit dem Telefon!

Interessiert sie Videotelefonie ?

Eigentlich nicht! In speziellen Zusammenhängen evt. Ich hab eine Großnichte und die freut sich über sowas natürlich aber sonst eigentlich nicht. Ich telefoniere recht gern aber die optische Komponente brauche ich überhaupt nicht.

Ich hab ein Festnetztelefon, ein Handy und ein Laptop und ein Tablet. Ich bin mit Leuten in Kontakt über Telegram und Whats app. Das sind die beiden Sachen auf dem Laptop.

Wie oft telefonieren sie mit Freunden in der Woche?

Vielleicht kann man sagen, so im Schnitt 2 1/2 Stunden in der Woche. Das war vor Corona wesentlich weniger.

Wenn ihnen Freunde und Freundinnen Fotos senden – über welchen Kanal passiert das?

Über Whats app oder über einen Link.

Sie sagen, dass sie auch ein Tablet besitzen. Welche Programme verwenden sie?

Da sind zum einen Musik-Apps. Und Ebay- Kleinanzeigen. Auch zum Zeitungslesen auf spiegel-online oder sueddeutsche Zeitung und das ist tägliche Routine- das mache ich relativ viel.

Verwenden sie als Handy ein Smartphone?

Ein älteres Smartphone – also es ist gerade so, dass ich zum Beispiel die Corona-App nicht auf mein Smartphone kriege.

Was würde den Umgang mit Computern, Seniorentablets , Senioren Handys für sie erleichtern? 

Das kann ich ganz klar sagen: Ich habe jemanden für große technische Probleme- der kommt dann und macht dann ein bisschen was und dann kostet das Geld.

Aber für niedrigschwellige Fragen fehlt mir jemand. Also „Cloud“  das würde mich schon interessieren oder die Frage wie kann ich zum Beispiel ein Musikstück verschicken?

Es gibt so kleine Sachen. Zum Beispiel hat sich der Browser Bing irgendwie bei mir eingenistet und ich werde Bing nicht mehr los- das sind solche Sachen, die mich ärgern. Ich hab es scheinbar irgendwann aus Versehen installiert aber nun ist es da. Normalerweise verwende ich Firefox. Ich hab wahrscheinlich irgendeine App runtergeladen und aus Versehen „Bing“ mit angeklickt.

Genauso beim Smartphone! Ich hab eine Bekannte  habe, die ist allerdings 80 und sie ist total verzweifelt und sie wusste gar nicht: Wie fummel ich mich jetzt da rein? Das ist kein Problem wenn man Kinder hat oder die Enkelkinder wissen es meistens. Da gibt´s dann relativ wenig Infos- gerade zum Beispiel : diese Corona App bekomme ich nicht auf mein Smartphone. Da wusste ich gar nicht ist es jetzt meine Unfähigkeit oder ist es das Smartphone. Das Smartphone ist genauso rätselhaft für viele Leute und mich ab und zu wie ein Laptop.

Zwei Tage nach unserem Gespräch fügte Christoph per Mail hinzu:

Mir ist noch eingefallen: große Hilflosigkeit gibt es mit zunehmendem Alter im Tarifdschungel. Günstige Internet-Tarife, Smartphone-Kauf, Vertragskündigungen und so.

Lässt sich per Website sicher nicht lösen. Aber Links zu vertrauenswürdigen Beratungsangeboten wären ungemein hilfreich.

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Facetime für Senioren

Mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten mit den Großeltern zu kommunizieren und in Kontakt zu bleiben. Neben den typischen und etablierten Messengern wie WhatsApp oder auch Skype hat sich Facetime zu einer ernsthaften Alternative entwickelt. Grund hierfür ist die Einfachheit mit der Facetime seine Benutzer lockt. Das klare und einfache User Interface steht nicht nur bei jüngeren Nutzern ganz weit oben auf der Liste der beliebtesten Kommunikationstools. Gerade auch ältere Generationen bevorzugen lieber weniger Schalter und Knöpfe als zu viele.

Was bietet Facetime für Senioren?

Neben einem Chat, also dem Ort in der App, wo man seine Textnachrichten senden und empfangen kann, lassen sich hier auch Bilder und Videos teilen. Weiterhin steht ein Videochat zu Verfügung, der in sehr guter Qualität die 1:1 Verbindung von Videotelefonaten ermöglicht. Nutzer können sich sehen und miteinander sprechen. Weiterhin können Avatare erstellt werden, die dann dem entsprechenden Nutzer gesendet werden können. Aus unserer Sicht nicht unbedingt notwendig für die Kommunikation, aber durchaus amüsant.

Warum ist Facetime so beliebt?

Facetime verzichtet bewusst auf alles was nicht wirklich notwendig ist und nimmt damit eine Sonderstellung ein. Auch das Thema Datenschutz wird großgeschrieben. Facetime gehört zu Apple, einem Konzern, der vermutlich am meisten für den Datenschutz seiner Kunden tut. Zu guter Letzt ist die Sprachqualität, die man bei Facetime erlebt, sehr gut.  Störungen oder Aussetzer beeinträchtigen das Telefonat kaum.

Fazit:

Einfach mal ausprobieren! Wir finden, dass sich Facetime sehr gut als Kommunikationstool eignet. Der einfache Aufbau der App und die zahlreichen Funktionen ermöglichen eine schnelle und simple Kommunikation.

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Telemarie – Förderung beim Startup Incubator Berlin verlängert

Wir freuen uns über eine 3 monatige Verlängerung beim Startup Incubator Berlin. Wir konnten die Jury davon überzeugen, dass die Entwicklung eines Seniorentablets und Software aufwendig ist und weitere Unterstützung durch den Incubator sehr wertvoll ist.

In den kommenden Monaten werden wir eine Crowd Funding Kampagne entwickeln.

 

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Update Telemarie

Nun sind 9 Monate vergangen seit unserer Förderung beim Startup Incubator Berlin und wir haben viel erreicht. Wir arbeiten weiter daran die digitale Kommunikation für Senior:innen so einfach wie möglich zu gestalten.
Durch zahlreiche Interviews mit Senior:innen und ihren Angehörigen, haben wir Erkenntnisse gewonnen, welche in die Entwicklung der Telemarie eingeflossen sind. Wir haben gelernt, dass die Kombination von Hardware und Software länger dauert als (von mir) gedacht – vor allem was Design, die Ständer, die Materialien und Griffe angeht.
Die Reduktion der Funktionen war von Anfang an eine gute Entscheidung, da Videotelefonie und das Teilen von Medien die Kernprobleme sind, die wir lösen wollen- zumindest für den Anfang. Die Ein-Knopf- Lösung ist nach wie vor in die Telemarie integriert. Die Videotelefoniesoftware haben wir selbst entwickelt – der Vorteil dadurch ist, dass wir alle Funktionen und Symbole für Senior:innen anpassen können.

Unsere Telemarie  sieht nun so aus: Die Einfachheit der Bedienung der Software sowie des Gerätes haben für uns die höchste Priorität!

 

Um die Idee weiter voran zu treiben, möchten wir die Telemarie im breiten Kreis testen. Wir haben schon einige Geräte verkauft und werden diese in den kommenden Wochen ausliefern. Aber wir würden uns freuen, wenn ihr auch dazu gehören würdet.
Habt ihr Eltern oder Großeltern, die ihr gern per Video sehen wollt und denen ihr gern Fotos und Videos zeigen wollt? Oder kennt ihr jemanden, die unser Vorhaben interessieren könnte? Wenn ja, dann würden wir uns freuen, wenn wir ins Gespräch kommen können. Bei Fragen oder Anregungen meldet euch gern bei uns. info@telemarie.de oder ruft an :0178/5370195

 

 

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SENovation Award Pitch

Wir haben am 1. September die Telemarie der Jury vorgestellt – auch wenn wir es nicht ins Finale geschafft haben. Wir sind von 60 Start ups unter die letzten 10 gekommen. Es ist schön zu sehen, dass sich immer mehr junge Menschen für die Probleme von Senior:innen kümmern.

 

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Halbfinale SENovation Award

Wir haben es ins Halbfinale geschafft! Mit dem „SENovation Award“, dem Gründerpreis Demografie, werden Start-ups und Geschäftsideen ausgezeichnet, die Lösungen für eine alternde Gesellschaft anbieten. Der Pitch istam 1.September 2021. Drückt uns die Daumen!

Weitere Infos: SENovation Award 

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Senior:innen als Tester gesucht!

Wir wollen die Telemarie weiterhin zusammen mit Senior:innen entwickeln. Aus diesem Grund suchen wir interessierte ältere Menschen, die Lust haben mit uns die aktuelle Version zu testen und uns Rückmeldung geben. Gern ab 75 Jahre. Melden sie sich gern unter info@telemarie.deSeniorentelefon